Odenthal von Neschener Straße                

Odenthal - Geschichtliches   

Odenthal entstand vermutlich durch Rodungen fränkischer Siedler im 10ten Jahrhundert. Der Name soll auf den Weiler des Ritters Udin zurückzuführen sein, der dieses Tal trockengelegt hat (Wikipedia). Daher der ursprüngliche Name „Udindarre“, der im Laufe der Zeit zu Odenthal wurde. Man könnte sich auch vorstellen, dass der germanische Gott „Odin“ für die Namensgebung Odenthals Pate stand. Im Bemühen der Kirche, den Götterglauben vollkommen auszulöschen, sind wahrscheinlich alle Hinweise darauf in den Aufschreibungen der Kirchspiele beseitigt worden. Namensgebungen, die auf germanische Gottheiten hinweisen, gibt es viele – z. B. Wodenesberg, Godesberg, Gudensberg, Odisheim, Wodensbolt, Wodantal in Hattingen oder das Odinsthal in Wachenheim an der Weinstraße. Noch heute gibt es in Odenthal bei dem Anwesen der Familie Grimberg einen ODINSAAL (jetzt China-Restaurant). In Schildgen stand früher in der Nähe des Zehntweges der ODINSHOF, wovon der Straßenname "Im Odinshof " heute noch zeugt. Die Bezeichnung Odinshof könnte auch vor der Christianisierung - also vor dem Jahre 700 n.Chr. - entstanden sein. Dann bezeichnet die Endung "hof" nicht Bauernhof, sondern eine Kultstätte "hof" = Halle/Versammlungsplatz. Die Geschichte von Schildgen und die Geschichte von Odenthal hängen ursächlich zusammen. Dort, wo heute die Kirche "Herz Jesu" steht, war früher die Hinrichtungsstätte von Odenthal, wo im 17. Jahrhundert die letzte Hexe "et Schüre Tring" verbrannt wurde. Da im Raume Schildgen bei Buschhorn Zeugnisse einer frühen Keltensiedlung  gefunden wurden, ist anzunehmen, daß auch der weitere Raum Odenthals schon weit vor dem Jahre Null besiedelt war. Der Ortskern ist erst im 11. oder 12. Jahrhundert  entstanden.

Wenn man die altsächsische Bezeichnung für Odin = Uuoden und dara = Bodensenke/Vertiefung heranzieht, dann erhält man die Wortkombination Uuodendara, was übersetzt Odinstal heißen würde (Quelle: Wortschatz der Germanischen Spracheinheit/August Fick). 
So ist ein Heinrich von Udindara als Grundherr von Strauweiler und Odenthal bekannt (Schloß Strauweiler/graf-von-berg.de). Er könnte sich - wie damals üblich - nach seinem Besitztum Uuodendara genannt haben. Da es den Christen verboten war, die Namen der heidnischen  Götter auszusprechen (im  Text des Taufgelöbnisses <end ec forsacho allum dioboles wercum and wordum, Thunaer ende Uuôden>), wurden ähnlich klingende, aber unproblematische Bezeichnungen gefunden bzw. erfunden. So mag zu diesem Zeitpunkt das Tal bereits Udindara geheißen haben.       
Es ist anzunehmen, dass Heinrich nicht, wie vermutet, Odenthal nach seinem Beinamen, sondern - wie damals alle Grundherren - seinen Beinamen entsprechend seiner Grundherrschaft, nämlich Udindara oder Udindarre wählte. Die Benennung Odenthals nach diesem Ritter ist nicht sehr wahrscheinlich, da er anscheinend 1150 noch aktenkundig wurde. Da Odenthal nach übereinstimmenden Berichten im 10. Jahrhundert entstanden ist, kann Ritter Heinrich nicht der Namensgeber sein.                                                                 

Glaubhafter ist daher die Ansicht des Historikers Dr. Gerd Müller in seinem Buch "Odenthal". Darin heißt es, dass Graf Udo 1. Graf im Rheingau und in der Wetterau, bereits in der ersten Hälfte des 10. Jh. im Raum Odenthal Rodungen durchführen ließ, da sein Vater Herzog Gebhard von Lothringen bereits die Waldrechte im gesamten Mittelreich besaß.  Odenthal könnte also auch von Graf Udo I. - auch Odon oder Othon genannt und Darre = Trockengestell - seinen Namen erhalten haben (Odons Darre). Damals wurde - weil man das Holz brauchte - zwar keine Brandrodung betrieben, aber das, was nicht als Bauholz verwendet wurde, ließ man liegen und verbrannte es großflächig. Diese Art der Ackerlandgewinnung lieferte den Dünger in Form von Asche gleich mit. Im althochdeutschen bedeutete Darre = Brandstätte (Köbler, Gerhard, Althochdeutsches Wörterbuch). So wird dann auch die Bezeichnung Odons-Darre erklärbar, die durchaus auch Trockenlegung bedeuten könnte. Denn für Dara, Darre, Dare, Darra gibt es eben im indogermanischen Sprachbereich eine Reihe von Übersetzungen (z.B. Brandstelle, Mut, Traute, Querbalken, Eckpfosten, Erdloch, Bodensenke, Wasserloch, zittern, bespringen, Halswirbel, Speer oder Spieß und natürlich ein Gerüst zum Malztrocknen). 

Graf Udo durfte als Lohn seiner Verdienste um die Krone seine Lehen und Güter wie Eigentum vererben. Er hatte hierzu ausdrücklich die Erlaubnis von Otto I. "quasi heridatum inter filius" und durfte auch seine "nicht direkten" Nachkommen als Grundherren einsetzen. Die Herrschaft Odenthal bekam Heribert, Sohn oder Enkel Udos. Im Buch Odenthal heißt es weiter: "Graf Heribert (949-992), Sohn Udos, ließ zum Schutz seiner Grundherrschaft Odenthal ein "castrum" (= Burg) errichten, die Burg Berge". Ich bin kein Historiker, sondern nur hobbymäßig interessierter Rentner, aber es könnte sich auch um einen Vorläufer von Schloß Strauweiler gehandelt haben, denn: 

 

1  Liegt die Burg Berge zu weit weg von Odenthal, um einen wirklichen Schutz zu garantieren. Es gab keine Sicht auf den Herrenhof.

2.  Die Burg Berge bestand möglicherweise schon im 6 Jh., zur Zeit des Nibelungenzuges, wie das die Schichtdicken der Küchenabfälle vermuten lassen.. 

Sie wurde durch Otto I. im Jahre 960 Hermann Pusillus, Graf im Keldachgau, zur Lehen gegeben und war dessen Hauptfeste. 

Zu 1. Da Otto der Große bereits 958 den Bau privater Burgen verboten hatte, hätte ein "castrum" nur in den Jahren 949 - 958 gebaut werden können. Die für damalige Verhältnisse kurze Bauzeit deutet auf eine zu dieser Zeit noch übliche Wehranlage in Holzbauweise hin. Diese Burg, wie sie auch immer geheißen hat, wird wohl - nach einem Umbau im 13. Jh - erst  im Jahre 1347 den heutigen Namen Strauweiler erhalten haben. Laut einer Akte des Klosters Altenberg von 1347 wurde Henrig van Vairingh, genannt Struwilre, als Grundherr von Odenthal belegt.

Zu 2. Im Nibelungenlied wird von einem Rheinübergang berichtet: ...dort wo die "Duna den Rhin trifft" und von da aus einen halben Tagesritt nach Burg "Bakalar" (Burg Berge?) weiter nach "Burg Thorta" (Dortmund) und "Susat" (Soest). Tatsächlich gab es eine Römerstraße als Abzweigung der Maastricht-Kölner Straße, die bei Wiesdorf über den Rhein (Hagen erschlug den Fährmann) und über Dortmund nach Münster führte - ähnlich dem Verlauf der heutigen B 51 (Quelle: Historiker Freiherr von Mering  18. Jh.).

Historiker Dr. Heinz Ritter - Rinteln-Schaumburg
schreibt über die "Niflungen":
"....zogen zur Duna-Dhün-Mündung beim heutigen Leverkusen, weiter zur Burg Bakalar (bei Altenberg im Bergischen Land)"
Erläuternd schreibt er weiter:

"Bei dem Namen Baka-lar deutet die Nachsilbe auf eine Lage an feuchten Wiesen und Weiden. Burg Berge liegt, ganz wie die Thidrekssage es angibt, abseits vom Heerweg: so nah, daß es sich für die schon lagernden Niflungen noch lohnt, dorthin aufzubrechen, so weit, daß es sich nicht lohnte den Wächter am Heerweg täglich abzulösen (er wachte schon drei Nächte), in einer Entfernung also von etwa 3-5 km. Durch das Tal der Dhünn führte damals keine Heerstraße."

Es muß also die Burg Berge gewesen sein wo die Nibelungen ihre Rast machten. Alle anderen Erklärungsversuche greifen nicht  z.B. Haus Blegge wäre zu nahe am Heerweg gewesen (ca. 400 m) die Burg Erberich liegt nicht an feuchten Wiesen. Außerdem wären die Nibelungen nicht bei Bürrig über den Rhein gegangen, wenn sie auf die Heerstraße  Köln-Wipperfürth gewollt hätten. Die Nibelungen kannten die Strecke sehr genau, sonst hätten sie es von Worms bis Soest (ca.320 km) nicht in 7 Tagen geschafft (Reisegeschwindigkeit im Frühmittelalter 30-50 km/Tag). Über den Mauspfad auf die alte Heerstraße (B506) nach Dortmund sind selbst bei dem heutigen dichten Straßennetz ca. 30 km Umweg.

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